Donnerstag, 20.4.2017, 20:15 Uhr

Elisabeth Bronfen, Zürich

Ein Spiel verzauberter Blicke. DIE PUPPE von Ernst Lubitsch

Im gleichen Jahr, in dem Sigmund Freud in dem Essay „Das Unheimliche“ seine psychoanalytische Lektüre von E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ veröffentlicht, verfilmt Lubitsch ebenfalls dieses Nachtstück. Bei ihm steht jedoch nicht die Bedrohung durch den Vater auf dem Spiel als die Bedrohung, welche die heterosexuelle Ehe für den neurotischen jungen Helden darstellt. Zwar macht auch Lubitsch das Spiel optischer Illusion an der Figur einer reizvollen weiblichen Puppe fest, die vermeintlich vor dieser unliebsamen Hinwendung zum Gewöhnlichen schützen soll, nur dient in seinem Film das Verwischen der Grenze zwischen belebtem und unbelebtem Körper dem Gesetz der Komödie. Zugleich bietet die von Ossi Oswalda gespielte Puppe einen Kommentar zur Zauberkraft des Kinos und spiegelt somit die Freude des Regisseurs an einem kinematischen Medium, welches sowohl Menschen also auch Holzpuppen in bewegte Bilder umwandelt.

Elisabeth Bronfen ist Lehrstuhlinhaberin am Englischen Seminar der Universität Zürich, und seit 2007 zudem Global Distinguished Professor an der New York University. 2013 hat sie die Ausstellung „Kleopatra. Die Ewige Diva“ an der Bundeskunst- und Ausstellungshalle Bonn als externe Kuratorin mitbetreut. Ihr Spezialgebiet ist die Anglo-Amerikanische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie hat zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze in den Bereichen Gender Studies, Psychoanalyse, Film- und Kulturwissenschaften wie auch Beiträge für Ausstellungskataloge geschrieben. Zu ihren Veröffentlichungen zählen „Specters of War. Hollywoods Engagement with Military Conflict“ (2012); „Night Passages: Philosophy, Literature, and Film“ (2013); und „Mad Men“ (2015).


Film:

DIE PUPPE, Deutschland 1919, 66 Min.

 

Goethe-Universität Deutsches Filmmuseum Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main